© Andrea Jäger

Ich werde öfters gefragt, wie es ist, wenn man plötzlich Regierungsrat ist. Kurze Antwort: Meine Agenda ist gut gefüllt, ich arbeite ziemlich viel und es bereitet mir grosse Freude. In der Regierung wird die Politik konkret. In der Regierung gilt es, die Dinge auf den Boden zu bringen. Dass ich selber Ingenieur bin, wirkt sich in der Baudirektion positiv aus. Wer sich technisch auskennt, sieht auch die Grenzen der Technik und verfällt nicht dem Glauben, irgendwann in der Zukunft komme die Wundertechnologie, die alle unsere Klima- und Energieprobleme löse.

Netto-Null – keine Ausreden!

Der Bundesrat hat sich erst vor wenigen Monaten zu netto Null bis 2050 bekannt. Das hätte ich vor einem Jahr nicht für möglich gehalten. Da passiert gerade eine Revolution in unseren Köpfen. «Netto Null» heisst vollständige Umstellung von Öl und Gas auf Erneuerbare. Keine Ausreden. Keine Verweise auf heilbringende technologische Entwicklungen, die ganz von alleine kommen.

Wie sieht eine Netto-Null-Gesellschaft aus? Und wie kommen wir dahin? Welche Technologien brauchen wir dazu und wie pushen wir diese? Das sind meines Erachtens die relevanten Fragen.

Gebäude, Verkehr, Solarenergie

Mit der Energiegesetz-Revision, die auch unter dem Titel «Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich» (MuKEn) zusammengefasst wird, gehen wir im Gebäudebereich klar in die Richtung null Emissionen. Das aktuell diskutierte nationale CO2-Gesetz unterstützt diese Transformation der Gebäude weiter.

Im zweiten grossen Emissionssektor ist der Pfad noch weniger klar: dem Verkehr. Durch eine geschickte Raumplanung versuchen wir im Kanton die Entstehung von Verkehr zu verhindern. Mit genügend hoher Dichte lohnen sich lokale Strukturen wie Einkauf, Gewerbe oder Schulen in Distanzen, die für den Aktivverkehr (Velo oder zu Fuss) geeignet sind. Generell brauchen wir attraktive und sichere Rad- und Fusswege, wie dies nordische Städte wie Kopenhagen vormachen. Wer Radwege baut, wird Radverkehr ernten! Der übrige motorisierte Individualverkehr muss längerfristig zwingend auf elektrisch (Batterie oder Wasserstoff) umsteigen.

Weiter wollen wir mit unseren kantonseigenen Fahrzeugen und Immobilien vorangehen, um diese bald möglichst netto-Null-tauglich zu machen. Zudem braucht es eine Solaroffensive. Die Dekarbonisierung braucht Strom und die Atomkraftwerke werden bald abgestellt. Die Solarenergie hat das grösste Potential, den Strombedarf der Zukunft decken zu können. Daher brauchen wir heute grosse Investitionen in die Solarenergie.

Wir wissen noch nicht im Detail, wie die Netto-Null-Gesellschaft aussieht. Aber mit all diesen Massnahmen gehen wir in die richtige Richtung.

Martin Neukom
Regierungsrat Kanton Zürich,
Vorsteher Baudirektion
@MartinNeukom