Verfechter einer nachhaltigen und sozialen Landwirtschaft
Im letzten Dezember hatte Rudi Berli sein Debüt im Nationalrat. Der Bio-Gemüsebauer aus Genf setzt sich seit Jahrzehnten für eine bäuerliche und nachhaltige Landwirtschaft ein. Nun ist er Teil der Grünen Fraktion und setzt sich dort für eine Ökologie ein, die sozialverträglich ist.
Eigentlich deutete nichts darauf hin, dass Rudi Berli einmal Biobauer in der Nähe von Genf werden würde – und schon gar nicht Nationalrat für die GRÜNEN. 1963 wurde er in eine eher rechts stehende Familie im Zürcher Säuliamt geboren. Danach absolvierte er eine Ausbildung an der Gartenbauschule im Genfer Lullier – wo er Gemüsegärtner wurde. «Ich wollte Gemüse anbauen, weil diese Tätigkeit unmittelbar Sinn ergibt», betont er. Mit dieser Ausrichtung begann er, für die Jardins de Cocagne zu arbeiten, der ersten regionalen Vertragslandwirtschaft Europas. Die Genossenschaft versorgt fast 400 Haushalte in Genf mit Bio-Gemüse. «Die Arbeit in der biologischen Landwirtschaft ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Und das kollektive und selbstverwaltete Modell passt perfekt zu mir.»
Für kurze Transportwege
Durch den Kontakt mit Freunden in Jugendbewegungen wurde Rudi schon früh politisiert. «Ich habe mich für selbstverwaltete Kulturzentren und billigen Wohnraum eingesetzt, aber auch für den Pazifismus und gegen Atomkraftwerke», erzählt er. Nach einem fünfjährigen Aufenthalt auf einem italienischen Bauernhof kehrte er zu den Jardins de Cocagne zurück und fing an, sich bei Uniterre, der bäuerlichen Gewerkschaft, welche für eine nachhaltige Landwirtschaft kämpft, zu engagieren. «Dabei geht es nicht nur um biologische Landwirtschaft, sondern um eine ganzheitliche Nachhaltigkeit. Diese umfasst nebst ökologischen Aspekten auch soziale und wirtschaftliche.»
So wurde er 2003 politischer Sekretär bei Uniterre und kämpft seither auch auf Bundesebene für seine Ideale. Als Experte für Agrarpolitik setzte er sich für Ernährungssouveränität und eine bäuerliche Landwirtschaft ein. «Es kann kein nachhaltiges Ernährungssystem geben, ohne dass viele Hände mit dem Boden arbeiten», sag er. So plädiert er für eine Landwirtschaft, die sich aus diversifizierten bäuerlichen Betrieben mit Ackerbau und Tierhaltung bestehen – natürlich in der Region verwurzelt. Für ihn gehen Umweltschutz und nachhaltige Landwirtschaft Hand in Hand. «Die Umwelt ist unser Arbeitsplatz. Wir müssen sie pflegen.»
Gegen Freihandelsabkommen
Im Herzen war Rudi schon immer grün. Dennoch trat er der Partei erst für die Wahlen 2023 bei. Dank eines hervorragenden Wahlergebnisses trat er im letzten Dezember dann die Nachfolge von Nicolas Walder im Nationalrat an. Nun will er in Bern seinen langjährigen Kampf gegen Freihandelsabkommen fortsetzen. «Diese setzen die Schweizer Landwirtschaft enorm unter Druck und verzerren die Lebensmittelpreise», sagt er.
Daneben wird sich der frisch gewählte auch für bezahlbaren Wohnraum einsetzen – eine Mission, die er in Genf bereits länger verfolgt. Als seine Familie grösser wurde, fand er im Kanton Genf keine Wohnung und zog deshalb ins benachbarte Frankreich. «Eine Senkung der Gesundheitskosten und faire Mieten sind unerlässlich, damit mehr Geld für die lokale Wirtschaft bleibt und in kurze Transportwege fliessen kann», sagt er.