Präsidialrede von Lisa Mazzone
Delegiertenversammlung vom 21. März 2026 in Liestal (BL)
Liebe GRÜNE,
Es ist schön, wieder zusammenzukommen.
Ihr wisst es schon: die Zeiten sind nicht nur einfach. Auch für uns Grüne und unsere Ideen. Eine Versammlung wie diese ist nicht nur der Moment, unsere Pläne zu verfeinern. Es ist auch der Moment, Erfolge zu feiern. Denn Erfolge gibt es!
Gleich auf der anderen Seite des Rheins, nur wenige Kilometer von hier entfernt, wird Cem Özdemir Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Applaus für die deutschen Grünen! In Zürich haben die GRÜNEN ihr Ziel erreicht und einen dritten Sitz in der Stadtregierung errungen. Applaus für Karin, Daniel und Balthasar! In England hat Hannah Spencer das Unmögliche geschafft, bei einer Ersatzwahl einen Sitz im Parlament zu gewinnen. Applaus für Hannah Spencer! In den Niederlanden ist das Bündnis der Grünen und der Linken die stärkste Partei des Landes. Niederländischer Applaus! Und ich greife schon mal etwas vor mit Philipp, der derzeit die Kampagne anführt, um der neue grüne Regierungsrat von Basel-Landschaft zu werden. Ein tosender Applaus!
Diese Erfolge zu feiern ist wichtig, um frische und erneuerbare Energie zu tanken. Denn wir brauchen sie. Die Energie. Grüne Lösungen sind wichtiger denn je. Und es liegt an uns allen, sie gemeinsam durchzubringen.
Heute würde Cicero sagen: Öl ist der Nerv des Krieges.
Ob Trump nun Bomben auf Venezuela oder den Iran wirft, sein Ziel ist dasselbe: die strategischen Ölreserven. Dabei brauchen die Frauen, die Jugendlichen und die gesamte Bevölkerung angesichts der grausamen Massaker des Mullah-Regimes im Iran viel dringender Menschenrechte, Demokratie und Freiheit.
Auch heute noch bestimmen fossile Energien – und insbesondere Öl – das Auf und Ab der Weltwirtschaft. Eine Wirtschaft, die tödliche Abhängigkeiten schafft. Ohne fossile Energien könnte Putin seine Kriegskasse nicht immer wieder auffüllen.
Das hat System: Diese imperialistischen Kriege werden um Öl und Gas geführt. Und autoritäre Regime finanzieren ihre Macht durch den Verkauf fossiler Energien.
Fossile Energien sind nach wie vor entscheidend für die kollektive Sicherheit, den Wohlstand und die Selbstbestimmung der Völker.
So schwächen die Ölkrisen, die auf diese Kriege folgen, die westliche Bevölkerung. Sie schaffen den Nährboden für den Aufstieg des Rechtsextremismus.
Wir stehen in voller Solidarität mit allen Bevölkerungen, die dies am eigenen Leib zu spüren bekommen. Im Iran, in Kuba, im Libanon, in Kurdistan, in Palästina und in der Ukraine. Für sie setzen wir uns nach wie vor ein.
Liebe GRÜNE
Wir können diesen Teufelskreis stoppen: WEG VON DEN FOSSILEN ENERGIEN – SOFORT!
Dass wir heute in der Schweiz immer noch neue fossile Heizungen oder Fossilautos in Betrieb nehmen, ist absurd! Sie werden zwei Jahrzehnte lang laufen und unsere Klimapolitik sabotieren.
Stattdessen müssen wir der Bevölkerung dringend helfen, sich von fossilen Energien zu befreien. Die klimafreundlichen Technologien sind längst vorhanden.
Herr Bundesrat Rösti weigert sich, eine konsequente Klimapolitik umzusetzen. Damit gefährdet er die Bevölkerung. Und setzt sie massiven Preissteigerungen bei Heizung oder Benzin aus.
Economiesuisse gibt die Hälfte der Millionen, die sie in Kampagnen investiert, gegen ökologischen Fortschritt aus. Damit vertritt sie nicht die Wirtschaft. Nein, es liegt nicht im Interesse des Schreiners oder der Sanitärin, unter explodierenden Ölpreisen zu leiden. Es liegt nicht im Interesse von KMU, keinerlei Planbarkeit bei diesen Fixkosten zu haben. Und es liegt sicher nicht im Interesse der Bevölkerung, am Ende des Monates mit höheren Rechnungen konfrontiert zu sein. Sich auf Kosten der Bevölkerung und des Planeten zu bereichern, ist keine Wirtschaft. Es ist Ausbeutung!
Die Atomlobby gefährdet die Schweiz. Uran wird weiterhin aus Russland oder den USA importiert. Und das Sicherheitsrisiko, das AKW darstellen, ist offensichtlich. Die Explosion eines einzigen davon würde ganze Teile unseres Landes radioaktiv verseuchen.
Sei es Herr Bundesrat Rösti, Economiesuisse oder die Atomlobby: sie weigern sich, die Realität anzuerkennen. Diese schmutzigen Energien haben keine Zukunft. Und wir wissen, wie wir sie ersetzen können. Noch besser: Wir tun es bereits! Das Jahr 2025 markiert einen Paradigmenwechsel: Zum ersten Mal weltweit haben Windkraftanlagen und Solaranlagen mehr Strom produziert als fossile Energien.
Der Ausbau erneuerbarer Energien ist für unsere Sicherheit, unsere Demokratie und unsere Zukunft dringend nötig.
Der Klimaschutz ist aktueller denn je. Genauso wie die GRÜNEN. Wir sind die einzige Partei, die dieses Thema ganz oben auf die politische Agenda setzt, unabhängig von der Mode! Denn ohne Klimaschutz gibt es keine soziale Gerechtigkeit. Ohne Klimaschutz gibt es keine Souveränität.
Gerade jetzt müssen wir alle wieder Vertrauen gewinnen. Vertrauen in eine glückliche Zukunft. Vertrauen in die Freiheit, unsere Zukunft selbst zu gestalten. Die GRÜNEN setzen sich unermüdlich dafür ein: gegen die Rückkehr des Patriarchats, gegen die Privilegien der Superreichen oder gegen Abbaupolitik. Im Gegenteil, wir brauchen einen starken Service Public, echte Gleichstellung und eine grüne und solidarische Wirtschaft. Wie die Grünen in Grossbritannien sagen: make hope normal again! Das haben wir mehr als verdient!
Wir alle haben es verdient, unabhängig unserer Herkunft oder unseres Aufenthaltsstatus. Eine inklusive und offene Gesellschaft ist eine Gesellschaft, die lokale Gemeinschaften in ihrer Vielfalt schätzt. Eine Gesellschaft, die auf Anerkennung und Austausch basiert. Genau das greift die Chaos-Initiative der SVP an. Diese Initiative wird weder die Mietpreise senken noch die Natur schützen. Man muss sich nur ansehen, wie die SVP im Parlament abstimmt: Sie sagt systematisch NEIN zum Mieterschutz und NEIN zum Naturschutz.
Nein, liebe GRÜNE, diese Initiative hat ein anderes Ziel: die Rechte der Menschen anzugreifen und die Schweiz von Europa abzuschotten.
Kein Asylrecht mehr für all die Frauen, Männer und so viele Kinder, die aus ihrem Land geflohen sind, um Schutz zu finden. Kein Recht mehr auf Familiennachzug für die Europäer*innen, die unsere Spitäler und Altersheime am Laufen halten. Kein Aufenthaltsrecht mehr für Menschen, die in der Gastronomie arbeiten.
Was die SVP will, ist eine kalte, utilitaristische und entmenschlichte Sichtweise auf Migrant*innen.
Sie will die Rückkehr zum Saisonnierstatuts. Diese gewaltsame Verschlechterung der Lebensbedingungen migrantischer Arbeitnehmer*innen ist allgemeines Dumping und greift die Arbeitsbedingungen der gesamten Bevölkerung an.
Liebe GRÜNE,
Migration ist unsere tägliche Realität. Sie ist in jeder Familie, in jeder Schule, in jedem Unternehmen des Landes präsent. Sie ist der Motor unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft. Und darauf sind wir stolz. Denn Unterschied ist keine Bedrohung, sondern ein Zufall der Geburt, wie John Hume, einer der Friedensstifter in Irland, sagte.
Als Antwort auf das Chaos der Initiative organisieren wir uns! Und wir gründen das erste Netzwerk für Migrant*innen der GRÜNEN, neben den bestehenden Netzwerken Frauen* und LGBTIQA+. Unser Ziel? Diese besonderen Perspektiven zu vertreten, die Interessen von Menschen geltend zu machen, die in unserer Gesellschaft und – seien wir nicht naiv – wahrscheinlich auch in unserer Partei noch immer unter struktureller Diskriminierung leiden.
Liebe GRÜNE, wenn wir uns mobilisieren, hat unsere Stimme Gewicht. Seit fast zwei Jahren prangern wir die massiven Kürzungen im öffentlichen Verkehr, bei der Gebäudesanierung oder in der Bildung an, mit denen Milliarden in die zahllosen Debakel der Armee gepumpt werden sollen. Dank diesem Engagement und dem der Zivilgesellschaft konnten wir im Parlament das Schlimmste verhindern: das Gebäudeprogramm retten, die Erhöhung der Preise im öffentlichen Verkehr verhindern oder den Druck auf die Studiengebühren verringern.
Dieses Engagement zahlt sich aus. Das war nur der erste Schritt. Wir werden ihn im Parlament und an den Urnen entschlossen fortsetzen, um zu verhindern, dass die gesamte Bevölkerung für Panzer und noch mehr F-35 bezahlen muss.
Liebe GRÜNE, ja, wir gewinnen nicht jede Abstimmung und nicht jede Wahl. Aber wisst ihr, was euch eine Wahlniederlage niemals wegnehmen kann? Eure Werte. Das, was ihr in eurem Herzen tragt: euer Engagement für eine gerechtere Welt, in der jeder und jede einen Platz hat, eine solidarische, feministische und zukunftsfähige Welt.
Das ist die Stärke der grünen Bewegung: Was uns antreibt, ist weder das Streben nach Macht noch der Wunsch zu dominieren, sondern ein gemeinsames Projekt für eine glückliche Zukunft.
So ist unsere grüne Bewegung im Laufe der Jahre nicht nur immer grösser geworden, sondern hat unsere Gesellschaft tiefgreifend geprägt. Auf den Dächern spriessen Solaranlagen, in den Zivilämtern werden gleichgeschlechtliche Ehen geschlossen und Frauen sind in den höchsten Ämtern von Politik und Wirtschaft vertreten. Kein Rückschlag hat uns je entmutigt oder unsere Überzeugungen verändert. Unser Herz schlägt nach wie vor am selben Ort. Und gemeinsam lassen wir es noch stärker schlagen.