Agrarpolitik: Zukunftsfähiges Ernährungssystem braucht neue Stossrichtung
Die Landwirtschaft steht mit der fortschreitenden Klimakrise, einem immensen Biodiversitätsverlust und grossem Preisdruck vor grossen Herausforderungen. Die vom Bundesrat vorgeschlagene Agrarpolitik 2030+ verschärft jedoch die bestehenden Probleme. Denn sie zementiert ein Ernährungssystem, das nicht zukunftsfähig ist. Das Ziel muss sein, gleichzeitig gesunde Lebensmittel zu produzieren, die endlichen natürlichen Ressourcen zu schützen, faire Einkommen zu ermöglichen, den Klimaschutz voranzutreiben und das Tierwohl zu respektieren. Die Grüne Fraktion setzt sich im Hinblick auf die Agrarpolitik 2030+ deshalb mit einem umfassenden Vorstosspaket für eine nachhaltige Agrarpolitik ein, mit denen sich diese Ziele erreichen lassen.
Die Bevölkerung wünscht sich gesunde, nachhaltige und fair produzierte Lebensmittel, deren Produktion die Umwelt intakt lässt. Eine Agrarpolitik, deren Fokus auf kurzfristigen Profitinteressen liegt, ist damit nicht vereinbar. Die GRÜNEN setzen sich deshalb für eine Landwirtschaft ein, die ihre wirtschaftlichen und ökologischen Grundlagen langfristig erhält. «Wir wollen eine Landwirtschaft, die wieder stolz auf ihre wertvollen Produkte sein kann, weil sie im Einklang mit der Natur arbeitet und die nötige Wertschätzung erhält – auch finanziell», sagt Aline Trede, Fraktionspräsidentin der GRÜNEN. «Wir müssen weg kommen vom Fokus auf Masse und billige Preisen und stattdessen die Qualität und die wahren Kosten in den Blick nehmen.»
Die grüne Landwirtschafts- und Ernährungspolitik ist ein klares Bekenntnis zu bäuerlichen Familienbetrieben, die Tag für Tag einen essenziellen Beitrag zur Gesellschaft leisten und unter dem Preisdruck eines globalisierten Marktes leiden. «Eine gesunde Umwelt und eine starke, bäuerliche Landwirtschaft sind zwei Seiten derselben Medaille», erklärt Franziska Ryser, Nationalrätin SG. «Unsere Vision vereint die Interessen von Produzent*innen, Konsument*innen und der Natur. Nur wenn es unseren Böden, unseren Tieren und unseren Bauernfamilien gut geht, ist die nachhaltige Versorgung mit gesunden Lebensmitteln gesichert.» Mit einem Vorstosspaket (siehe Liste am Ende) setzt die Grüne Fraktion deshalb Leitplanken für eine neue Stossrichtung für die Agrarpolitik 2030+.
Lokale Wertschöpfung und regionale Produkte fördern
Schweizer Qualität und Nachhaltigkeit müssen sich auszahlen. Deshalb wehren sich die GRÜNEN gegen den Preisdruck durch Billigimporte, wie sie etwa mit dem Mercosur-Freihandelsabkommen gefördert werden, und unfaire Margen beim Detailhandel. Eine nachhaltige Agrarpolitik muss den Fokus auf soziale und regionale Gerechtigkeit setzen. Dabei sollen kurze Vertriebswege gefördert und gegenüber intransparenten Lieferketten und einer globalisierten Lebensmittelindustrie gestärkt werden.
Subventionen müssen sich zwingend an konkreten Leistungen für Biodiversität, Tierwohl und Klima bemessen. Pauschale Flächensubventionen widersprechen einer nachhaltigen Agrarpolitik, welche die ökologische Transformation in der Landwirtschaft vorantreibt. Auch muss die Wertschöpfung in der Region und bei den Bäuer*innen selbst bleiben, womit auch klar ist, dass die Produktion von Lebensmitteln nicht auf der Ausbeutung von Arbeitenden basieren darf.
Ressourcen schonen und effizient produzieren
Unsere endlichen natürlichen Ressourcen sind die Grundlage unserer Ernährung. Deshalb muss eine nachhaltige Landwirtschaft diese schützen und effizient nutzen. Das bedeutet auch, die Konkurrenz zwischen dem Anbau von Tierfutter und menschlicher Nahrung auf wertvollen Ackerflächen deutlich zu reduzieren – sowohl im Inland als auch durch Importe aus dem Ausland. Eine graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion ist ein wichtiger Baustein für eine ökologische und unabhängige Schweizer Landwirtschaft.
Darüber hinaus braucht es mehr Anreize, um Ackerflächen direkt für die menschliche Ernährung zu nutzen. Der Anbau von pflanzlichen Proteinen ist der mit Abstand ressourcenschonendste Weg für eine verantwortungsvolle Ernährung. Denn dieser benötigt nur einen Bruchteil an Land, Wasser und Energie, um die gleiche Menge an Nährstoffen zu produzieren.
Wichtig ist dabei auch eine Anerkennung von Tieren als fühlende Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen. Eine grüne Landwirtschafts- und Ernährungspolitik geht über die blosse Produktion von Waren aus reiner Effizienzlogik hinaus und setzt sich für eine Landwirtschaft ein, die ihre ethische Verantwortung gegenüber Tieren ernst nimmt.
Etliche Hebel für Klimawirkung
Die Landwirtschaft befindet sich im Zentrum der klimapolitischen Debatte. Die Auswirkungen – Trockenheit, Hitzestress, Extremwetterereignisse – betreffen sie existenziell. Gleichzeitig ist sie für rund ein Siebtel der Schweizer Treibhausgasemissionen verantwortlich. Eine aktive Rolle bei der Reduktion ist zwingend.
Die Landwirtschaft verfügt über etliche Hebel, um der Klimaerhitzung aktiv entgegenzuwirken. Mit kluger Bewirtschaftung kann CO2 aus der Atmosphäre gebunden und im Boden langfristig gespeichert werden. Ebenso ist die Produktion von sauberer Energie ohne Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion möglich und nötig.
Vorstosspaket Agrarpolitik
- Motion Kilian Baumann: «Inländische Wertschöpfung sichern: Keine Lockvogelangebote mit Tiefstpreis-Aktionen bei Wein»
- Motion Kilian Baumann: «Qualitätsstrategie mit der zukünftigen Agrarpolitik fortsetzen»
- Motion Meret Schneider: «Kein Milchpulver- und Butterimport bei Verfügbarkeit im Inland»
- Motion Maya Graf: «Stärkung der Direktvermarktung und kurzen Vertriebswege in die AP30+ aufnehmen»
- Anfrage Rudi Berli: «Berechnung vergleichbarer Einkommen in der Landwirtschaft und anderen Sektoren. Fragen zu methodischen Verzerrungen»
- Interpellation Delphine Klopfenstein Broggini: «Mehr Auslauf im Freien für Nutztiere»
- Interpellation Clarence Chollet: «Effektiver Auslauf für Nutztiere in der Schweiz»